Kunst in Kürze

An dieser Stelle führen wir angesichts der aktuellen Ausnahmesituation unter dem Stichwort “Kunst in Kürze” eine neue Rubrik ein. In Artikeln mit überschaubarer Länge werden einzelne besondere Künstler*innen mit Bezug zu Böblingen vorgestellt. Anhand von vermittelnden, verspielten und zu strenge kunsthistorische Formen vermeidende Werkbetrachtungen werfen diese Kurzbeiträge einen Blick hinter die kunstvoll inszenierten Kulissen der Kunstwerke und beleuchten die Werdegänge und Lebensläufe, verbunden mit der Last und den Leiden, denen die Kunstschaffenden im vergangenen Jahrhundert ausgesetzt waren, denen sie jedoch oftmals mit Leidenschaft und Lebenslust begegneten. Damit wird deren künstlerisches wie kulturelles Vermächtnis gewürdigt, im kollektiven Gedächtnis lebendig gehalten und gleichermaßen ein nachhallender Appell an die Jetztzeit gerichtet. Denn der Blick zurück kann dabei helfen, eine Brücke in die Zukunft zu bauen.

Stadtgeschichten von Fritz Steisslinger – Teil 1

Das künstlerische Wirken des 1891 in Göppingen geborenen Fritz Steisslinger spannt auf unvergleichliche Weise aufgrund des aufmerksam beobachtenden Blicks, mit dem der Maler auf zahlreichen Bildern sein näheres Umfeld sowie die weitere Umgebung malerisch festhält, einen Bogen von der Geschichte bis in die Gegenwart.

Bewegte und bewegende Geschichten begegnen der Gegenwart

In Böblingen, wo er den Hauptteil seines bewegten Lebens verbrachte, fällt seine ergiebigste Schaffensphase. Hier entstanden zahllose Bilder mit den unterschiedlichsten Themengebieten. Als einer der Hauptkünstler der Böblinger Galerie ist er mit einer großen Fülle an Werken in der städtischen Kunstsammlung vertreten. Daher werden seinem Schaffen in der neuen Rubrik „Kunst in Kürze“ gleich zwei Teile eingeräumt. Vor nahezu genau 100 Jahren bekannte der sich tief zur Natur hingezogene Künstler zur hiesigen damals noch bäuerlich geprägten, von Wäldern, Wiesen und Weiden umgebenen Gegend, also bewusst gegen ein Leben in der nicht weit entfernten, kulturell wie kommerziell aufblühenden Großstadt Stuttgart. In den beginnenden 1920er Jahren wählte er das ursprünglich als eine sogenannte „Gartenstadt“ geplante Böblingen als sein Domizil und ließ sich am Tannenberg mit einer eigens im expressionistischen Baustil gestalteten und aus unregelmäßig behauenen Sandsteinquadern erbauten Villa inmitten eines großen, parkähnlich angelegten Gartenareals nieder. Bis heute befindet sich das Anwesen im Familienbesitz und wird von den Nachkommen bewohnt.
Dass ein Besuch in dem ehemaligen Wohn- und Atelierhaus, in dem das Andenken an den Künstler unverändert lebendig gehalten wird, wie eine Zeitreise zurück in das vergangenen Jahrhundert erscheint, ist der unermüdlichen Arbeit zweier Menschen zu verdanken: zunächst seines Sohns Eberhard Steisslinger, der als einziger seiner Kinder den Zweiten Weltkrieg überstand, später Frederica Steisslinger, der Nachlassverwalterin und Schwiegertochter des Malers, die das Künstlerhaus in den vergangenen 15 Jahren durch ihre lebhaften Führungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.
Eine herauszustellende Besonderheit ist, dass der umfangreiche und vielgestaltige Werkkomplex jahrzehntelang hingebungsvoll behütet, d. h. nur wenige Arbeiten daraus veräußert oder verschenkt, angekauft oder ausgeliehen wurden und dieser dadurch in Gänze erhalten bleiben konnte. So gibt die Villa mit ihrem Inhalt einen überaus raren Querschnitt durch alle Schaffensjahrzehnte des Zeichners, Bildhauers und Malers – ein vergleichsweise bemerkenswerter Umstand, da dies bei Künstlerhäusern deutschlandweit einen außerordentlichen Glücksfall bedeutet.

Beständige Beliebtheit

Es gibt kaum Gegenstände oder Gattungen, an denen sich der experimentierfreudige, kreative und stets mit Stift in der Hand agierende Künstler nicht abgearbeitet hätte. Er war zu Beginn seiner Laufbahn zunächst kunsthandwerklich tätig und absolvierte eine Lehre als Metallgraveur und Gestalter bei der bekannten Firma WMF. Einige Stücke aus dieser Zeit sind überliefert und harren ihrer Wiederentdeckung. Fritz Steisslinger durchläuft aber vor allem in seinem grafischen und malerischen Werk vielfältige Phasen. Sein Schaffen spiegelt damit die stilistischen Entwicklungen seit der Jahrhundertwende und der gesamten ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider. Denn Fritz Steisslinger bewegt sich mit seinen symbolistisch- allegorischen, spät-impressionistischen, neusachlichen, expressiv-realistischen sowie abstrahierenden Tendenzen stets am Puls der Zeit.
Die gemalten und gezeichneten Bilder Fritz Steisslingers erfreuen sich bis heute einer solch ungebrochenen Beliebtheit, dass sie immer wieder als abbildungswürdige Motive herangezogen werden, vor allem in seiner Wahlheimat, aber auch darüber hinaus. Im alten Jahr waren besonders schöne Stadtmotive als Weihnachtskarten zu erwerben, die das Böblinger Amt für Kultur traditionell alljährlich anbietet und deren Erlös für gute Zwecke gespendet wird.

Weiße Winter...

Unglaublich, aber wahr – denn die von Fritz Steisslinger festgehaltenen Schlittschuhläufer und Schlittenfahrer vor der Kulisse schneebedeckter Hügel beweisen es: Früher gab es noch „richtige“ Winter mit Pulverschnee und zugefrorenen Seen. Mit diesen stimmungsvollen Winterbildern aus dem Fundus können wir uns auch bei wechselhaften Temperaturen auf die kalte Jahreszeit einstimmen. Wie man auf dem hier abgebildeten Gemälde sehen kann, ist es vor allem die unverstellte Ehrlichkeit der Malweise, mit der Fritz Steisslinger unsere Sinneseindrücke direkt anspricht. Seine Bilder benötigen wenig erläuternde Worte. Ganz im Gegenteil würden diese sogar die besinnliche Atmosphäre stören...
In diesem, seinem Sinne bleibt abschließend unser aller Wunsch für wohlbehütete Wintertage und einen guten wie gesunden Start ins Jahr 2021!

Fritz Steisslinger Winter Teil1
Fritz Steisslingers Blick auf Böblingen im Schnee mit Ski- und Schlittenfahrern, 1936-38, Städtische Galerie Böblingen

Stadtgeschichten von Fritz Steisslinger – Teil II

Hier folgt wie angekündigt der zweite Teil „Kunst in Kürze“ von Galerie-Leiterin Corinna Steimel zum Künstler Fritz Steisslinger und dessen facettenreichem Wirken.

Nach einer historisierend-symbolistischen frühen Phase, die stark von seiner Münchener Akademiezeit unter seinen Malerei-Professoren Franz von Stuck und Fritz von Uhde geprägt war und in der allegorische Darstellungen in gedeckten Farbtönen entstanden, wendet sich Fritz Steisslinger seit den 1910er-Jahren mit Vorliebe den schönen, stimmungsvollen Seiten des Lebens zu.

Beliebte Bildmotive: Böblingen, Berlin, Brasilien...

Inspiriert von Brasilien: Bananenblüte, 1947-50, Nachlass von Fritz Steisslinger
Inspiriert von Brasilien: Bananenblüte, 1947-50, Nachlass von Fritz Steisslinger

Er bannt mit dynamischen Pinselschwüngen elysische Landschaftsansichten und erhabene Naturszenarien, ornamentale Blumenstücke und opulente Stillleben auf den Bildträger. Zudem liebt er es, die auf seinen zahlreichen Reisen, Ausflügen und Wanderungen gemachten Eindrücke mit flüchtigen Strichen in seinen Skizzenbüchern, die seine ständigen Begleiter sind, festzuhalten.
Ebenso faszinieren ihn größere Städte mit ihrer pulsierenden Lebendigkeit. Mit Hingabe fängt er die urbane Architektur, Bürgerhäuser und Repräsentationsgebäude, Prachtbauten, die eng bebauten Straßenzeilen sowie Hochausschluchten ein. Davon künden die farblich und formal expressiven Bilder Mitte der 1920er-Jahre, die er in der brodelnden Metropole Berlin, wo er sich ein paar Jahre aufhielt, anfertigte.
Das Ausführen von Bildnissen seiner Frau und seiner drei kleinen Söhne in heimischen Gefilden sind ihm genauso willkommen wie in Auftrag gegebene Porträts von deutschlandweit bekannten Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft, Kunst und Kultur. Aber auch die neuesten technischen Errungenschaften und ihre Spuren, die sie hinterlassen, beeindrucken ihn sehr und fordern ihn zum Malen heraus. Unter seinen Lieblingsmotiven finden sich einige in den Kriegswirren größtenteils verloren gegangene Böblinger Wahrzeichen – darunter etwa Zweckbauten wie die Hochbehälter oder Funktürme oder zeittypische Bauwerke, beispielsweise das heute nur noch in Teilen am äußeren Waldrand der Tannenberg-Gemarkung erhaltene „Kurhaus Hubertus“ sowie das längst abgerissene Lungensanatorium. In seinen Zeichnungen und Gemälden werden sie im Bildgedächtnis der Stadt wachgehalten. Darüber hinaus dokumentiert er historisch bedeutende Ereignisse, wie die erste Landung des Zeppelins 1929. Auch die Klemm-Flugzeuge mit ihrer innovativen Leichtbautechnik oder die Bauarbeiten für die Autobahn ab Mitte der 1930er-Jahre werden von ihm ähnlich eines Chronisten verbildlicht.

Vor allem mit seinen Bildern des Anfang des letzten Jahrhunderts entstehenden Flugplatzes, dem heutigen Stadtteil „Flugfeld“, der zunächst militärischen Zwecken diente und später bis zur Bombardierung Böblingens als erster Landesflughafen fungierte, schreibt er ein Stück Stadt- und Heimatgeschichte nieder. Und zwar nicht unbunt (wie es bei den parallel entstehenden zeitgenössischen Schwarz-Weiß-Fotografien der Fall war), sondern in satter Farbe! Die Vergangenheit erscheint uns heutigen Betrachtern dadurch umso lebendiger und glorreicher.
In Böblingen hat der Maler bis heute seine größten Fans, was nicht überrascht, denn man ist hier stolz auf den Tausendsassa: Die Städtische Galerie richtet jährlich Facetten-Ausstellungen aus, in denen eindrucksvolle Aspekte im Gesamtwerk des 1957 überraschend verstorbenen Künstlers kunsthistorisch aufgearbeitet und aus aktueller Perspektive neu bewertet werden.

Faszination für Fremdes

Einer der eindrücklichsten, bewundernswertesten und nächstenliebensten Charakterzüge des Künstlers kam vor einigen Jahren zum Vorschein: In einer Zeit, in der Rassentheorien die Gesellschaft vergifteten, lässt sich der Maler nicht beirren, bleibt sich und seinem Gegenüber treu. Fritz Steisslinger zeichnet sich als einer der wenigen Künstler im gesamten Nazi-Deutschland
durch seinen einfühlsamen, humanen und vorurteilsfreien Blick auf das ungewohnt „Andere“, nämlich die indigene Bevölkerung Brasiliens, aus. Die Kollektivschau „Vertraute Fremde – Vorstellungsbilder über das Andere“, in der die Städtische Galerie Böblingen bereits 2014 das postkoloniale Kunsterbe Deutschlands thematisierte, erkannte erstmalig diese tief im Mitmenschlichen verwurzelte, wertschätzende Haltung, die der ansonsten nicht selten gegenüber seinen Kritikern stur auftretende Maler den naturverbundenen Einheimischen entgegenbrachte.
Das südamerikanische Land samt der Bevölkerung fesselten ihn seit seinem ersten Aufenthalt 1942, wurden zu seiner zweiten Heimat und veränderten seine expressiv-realistische Malweise ins Furios-Abstrahierte. In der Nachkriegsära, bereits Ende der 1940erund in den 1950er-Jahren, schlägt sich diese Erfahrung wirkungsvoll in seinem Malstil nieder: Fortan verfließen in seinen Gemälden auf äußerst progressive Art die Formen und Farben ineinander.

Zeugnisse der Zeitgeschichte

Als weitere würdigende Anerkennung für seine wertvollen Verdienste hat das Amt für Kultur dem Maler Fritz Steisslinger 2019 eine zusätzliche, auf das Thema „Flughafen“ komprimierte Präsentation gewidmet, die im 1. Obergeschoss des Alten Rathauses während derÖffnungszeiten zu besichtigen ist (aktuell Corona-bedingt für Publikumsverkehr geschlossen). Galerie-Leiterin Corinna Steimel hat hierfür mit der „Arbeitsgruppe Flughafengeschichten“, vertreten durch Wilfried Kapp, Reinhard Knoblich und Hans-Jürgen Sostmann, kooperiert. Zu sehen sind u. a. zwei Modelle des Ingenieurs, Luftschiffpioniers, Flugzeugbauers und Firmengründers Dr. Hanns Klemm, obendrein zwei Buntstiftzeichnungen – ehemals Schenkungen des Nachlasses an die „Arbeitsgruppe Flughafengeschichten“ – sowie ein wichtiges Gemälde von Fritz Steisslinger aus dem Bestand der städtischen Kunstsammlung.

Diese bildlichen Zeitzeugen erweitern den Radius der Rezeption und zeigen zugleich die Bandbreite des künstlerischen Schaffens von Fritz Steisslinger in Böblingen.

Sein Werk und Wirken wird ähnlich einer Triangel vom Künstlerhaus am Tannenberg über das für den Maler reservierte Kabinett in der Städtischen Galerie bis direkt hinein ins Herz der Stadtverwaltung getragen – und zieht von hier aus weitere überregionale Kreise.

Rudolf Christian Baisch: Hommage an einen berühmten Sohn Böblingens

Anlässlich seines Todestages, der sich am 14. Dezember zum 30. Mal jährt, wirft Corinna Steimel, Leiterin der Städtischen Galerie, ein würdigendes Schlaglicht auf den Böblinger Bildhauer, Grafiker, Maler und Lyriker.
Er fand erst verhältnismäßig spät zur Kunst und prägt das Stadtbild Böblingens mit seinen ausdrucksstarken Werken bis heute.

Rudolf Christian Baisch wird am 20. Oktober 1903 in Böblingen geboren. Direkt nach seiner Schulzeit meldet er sich mit kaum 15 Jahren bei der Fliegerersatzabteilung 10 (FEA 10). Ein schwerer Unfall am Tag seiner Prüfung zum Flugschüler macht seinem Bestreben, Flieger zu werden, einen Strich durch die Rechnung. Nach mehrmonatigem Krankenlager und einer bleibenden körperlichen Beeinträchtigung muss er den Traum vom Fliegen endgültig begraben und schult stattdessen in einer Böblinger Zahnarztpraxis um. Er wird zunächst Zahntechniker und bildet sich anschließend in Zahnheilkunde weiter. Nach seiner Übersiedlung an den Niederrhein, wohin es ihn beruflich verschlägt, eröffnet er 1928 in Düsseldorf seine eigene Praxis.

Späte Berufung zum Bildhauer

Zicklein im Büro
Im Amt für Kultur steht Baischs munteres Zicklein und ist für die morgendliche Motivation bestimmt hilfreich.

Erst ab 1931, mit dem sicheren Gehalt im Hintergrund, kann er sich in der Freizeit vermehrt um seine künstlerisch- kreative Berufung kümmern. Neben seinem Talent für die Poesie fühlt er sich vor allem zum plastischen Arbeiten hingezogen.
Neben seinem Beruf findet er regelmäßig Zeit, um zum Zeichnen und Modellieren in den Düsseldorfer Zoo zu gehen und dort die heimischen wie die fremden Tierarten zu studieren, die er erst viel später durch seine zahlreichen Reisen, etwa auch nach Ägypten, in ihrem natürlichen Habitat erleben kann. Bestätigt durch seine erste Ausstellung bei „Mutter Ey“, wie die bedeutsame und legendäre Galeristin und Förderin moderner Kunst abkürzend genannt wurde, gibt er 1932 konsequenterweise seine Praxis auf, um sich fortan ganz auf seine freie bildhauerische Tätigkeit zu konzentrieren.
Ab 1937 schreibt sich der anfängliche Autodidakt an der Kunstakademie Düsseldorf ein. Einer seiner Professoren, die ihn künstlerisch stark beeinflussten, war der figurative Bildhauer Edwin Scharff (1887–1955), dem in Neu-Ulm ein eigenes Museum gewidmet ist.
Die Arbeiten von Rudolf Christian Baisch überzeugen Kennerschaft und Publikum gleichermaßen und er kann nach Abschluss seines Kunststudiums weitere künstlerische Erfolge verbuchen.
Während sich Europa nach dem Zweiten Weltkrieg neu sortiert, wird er seit den späten 1950er-Jahren deutschlandweit und international zu vielzähligen Ausstellungen im In- und Ausland eingeladen. Der großen positiven Resonanz folgen alsbald zahlreiche Aufträge und Ankäufe durch die öffentliche Hand.

Bildwerke für Böblingen

Ein neuer Lieblingsmitarbeiter im Büro: Der Pinguin von Rudolf Christian Baisch wurde auf "Mr. Mumble" getauft.

In Böblingen wird er 1968 mit der Gestaltung des Brunnens vor der Kongresshalle beauftragt. Heute befindet sich ein zweiter, der sogenannte Delphin-Brunnen, dessen Aufstellungsort ursprünglich bei der neuen Schwimmhalle sein sollte, im Oberen See. 1978 bekommt der vielseitig begabte Künstler die Ehrenmedaille der Stadt Böblingen in Gold verliehen und bald darauf kauft die Stadt rund 50 Plastiken des Künstlers an, die heute an verschiedenen Plätzen, in Parks sowie in städtischen Gebäuden aufgestellt sind.

Zu Lebzeiten ist der international gefragte Künstler neben der Böblinger Kunstsammlung in weiteren renommierten Sammlungen vertreten, etwa im Berliner „Georg Kolbe Museum“.
Der Nachwelt ist der Künstler, der durchweg Kontakt zu seiner Heimatstadt gehalten hat, besonders durch seine einfühlsamen Porträtbüsten und charakteristischen Tierfiguren in Erinnerung geblieben. Während sich sein Frühwerk durch naturnahe Wiedergabe der Lebewesen auszeichnet, wird seine Bildsprache mit den vergehenden Jahrzehnten immer abstrahierter. In seinen Formfindungen bleibt er jedoch überwiegend dem abbildenden Charakter seiner Motive treu.
Seit den späten 1970er-Jahren wurde in der Stadtverwaltung Böblingen darüber nachgedacht, ob es ein Museum geben solle, das ausschließlich die Skulpturen, Gemälde und Gedichte des vielseitig begabten Künstlers ausstellen solle. Diese Pläne wurden aus Kostengründen wieder verworfen. Stattdessen wurden viele seiner größeren Plastiken in einem schönen Parcours in den Grünflächen platziert, die von den beiden Seen bis zum Baumoval verlaufen.
Gerade in den aktuellen Corona-Zeiten stellt sich diese Entscheidung als wertvoll heraus. Denn jetzt, da die Museen geschlossen sind, kann man sich bewusst auf einen Kunstspaziergang begeben und die schönen Seiten Böblingens entdecken.

Beständige Beliebtheit

Vor allem seine empathisch wiedergegebenen Tierfiguren, mit denen er sich als großer Freund der animalischen Gefährten zu erkennen gibt, treffen auf ungebrochene Aktualität.
Insbesondere innerhalb der Böblinger Stadtverwaltung erfährt der Bildhauer aktuell ein richtiggehendes Revival.
Im Rahmen des Angebots „Ausstattung & Ausleihe für den Arbeitsraum“, das die Galerie-Leiterin kunstaffine Mitarbeiter/-innen anbietet, gehören die Tierplastiken von Rudolf Christian Baisch zu den beliebtesten Kunstwerken.
Nicht nur in vielen Gängen des Alten Rathauses, sondern in nahezu allen Büros des Amts für Kultur oder des Stadtarchivs zeigen sich Elefant, Affe, Nilpferd, Zicklein und Esel als miniaturhafte Zierde.
Vor Kurzem sind mit etwas Verspätung noch Pinguin, Henne und Bär im Tetragon eingezogen und erfreuen fortan die Abteilungen des Amts für Gebäudemanagement.
Rudolf Christian Baisch ist vor 30 Jahren, am 14. Dezember 1990, in Mettmann bei Düsseldorf gestorben und hat uns ein großartiges Gesamtwerk hinterlassen.
In Böblingen wird sein kreativer Geist bewahrt und im kollektiven Gedächtnis lebendig gehalten.