Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau

Böblingen ist bunter, als es auf den ersten Blick scheint ...

Ganz neu in die Seenlandschaft eingefügt hat sich das Denkmal „Gesichter des Bauernkriegs“ des Bodensee-Bildhauers Peter Lenk. Es wurde anlässlich des Gedenkjahres der Böblinger Bauernschlacht zwischen Goldberg- und Galgenberg vor einem halben Jahrtausend aufgestellt und erinnert eindrücklich an die freiheitssuchenden Aufstände jener Zeit. Foto von Karl-Heinz Kremling

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, begegnet Kunstwerken an vielen Orten: auf Plätzen, in Parks, an Gebäuden oder auch eher verborgen in grashohen Wiesen und überraschend am Wegesrand. Rund 110 künstlerische Schätze im urbanen Raum warten darauf, gesehen und entdeckt zu werden. Sie laden zum Verweilen, Nachdenken und zum Staunen ein. Die vielfältigen Plastiken, Installationen und Skulpturen – deren Spektrum von figürlichen und abstrakten Arbeiten über Land Art und Konzeptkunst sowie Brunnenanlagen bis hin zu Fassadenreliefs und Wandgemälden reicht – zeugen von der lebendigen Auseinandersetzung der Kunstschaffenden mit der Stadt und vom lebendigen Dialog mit der Böblinger Bürgerschaft. Sie prägen den öffentlichen Raum und wirken identitätsstiftend.



Jubiläumsjahr 2026: 30 Jahre Gesamtkunstwerk Gartenschaugelände

Kunst ist schön, aber sie macht, so wissen wir es alle seit Karl Valentin, viel Arbeit. Umso komplexer verhält es sich mit Setzungen künstlerischer Akzente im allseits und öffentlich zugänglichen Raum. Zuweilen muss um ihre gelungene Integration in Form von „Aufstellung“ und „Ausstattung“, bei der es um die Vereinbarkeit vieler Faktoren und verschiedenster Interessenvertretungen geht, geradezu gerungen werden. Die Böblinger Landesgartenschau und ihre begleitende Umrahmung durch verschiedene Kunstprojekte können in dieser Hinsicht als exemplarisch gelten.

Vereinbarkeit vielfältiger Faktoren im Vorfeld der Vorbereitungen

Die von der Stadt Böblingen zwischen dem 23. April und 6. Oktober 1996 ausgerichtete Landesgartenschau war für alle Beteiligten ein regelrechtes Mammutprojekt. Unter der Federführung der als städtische Tochtergesellschaft gegründeten Landesgartenschaugesellschaft (LGS GmbH) und unter der Leitung des Stadtplaners Chasid Winograd, der zugleich im Stadtentwicklungsamt für Stadtsanierung zuständig war, galt es, neben den organisatorischen Herausforderungen auch Skepsis, Vorbehalte und teils Widerstand zu überwinden.

Im Rückblick auf das 25-Jahre-Jubiläum hat auch Oberbürgermeister a. D. Alexander Vogelgsang in seinen Ausführungen immer wieder verdeutlicht, welchen langen, um nicht zu sagen, holprigen Weg es bis zur Realisierung des „grünen Herzens Böblingens“ gab. Auch die künstlerische Akzentuierung durch temporäre Kunstaktionen und begleitende Programmpunkte – die „Umrahmung“ der Landesgartenschau durch Werke und Projekte der Bildenden Künste – erforderte Geduld und Abstimmung, bevor sie erfolgreich umgesetzt werden konnte.

Alles lückenlos aufzuführen, würde den gegebenen Rahmen sprengen, sodass im Folgenden hauptsächlich auf das, was bis heute an Sichtbarem überdauerte und sich harmonisch in die Gartenlandschaft eingefügt hat, näher eingegangen werden soll. Anlässlich der Recherchen zum Jubiläum vor fünf Jahren gewährte Stadtarchivarin Dr. Tabea Scheible der Galerieleiterin Corinna Steimel, die amtlich auch für das Gebiet „Kunst im öffentlichen Raum“ zuständig ist, einen Blick in die dicht gefüllten Regale des Stadtarchivs. Rund 250 prall gefüllte Aktenordner dokumentieren vor allem die Organisation und Koordination der Landesgartenschau. Sucht man gezielt nach dem Stichwort „Kunst“, stößt man auf zahlreiche spannende Details. Aus den archivierten Unterlagen wird ersichtlich, wie bei diesem aufwändigen Stadtgarten-Planungsprojekt die Fäden aus den unterschiedlichsten kulturell-künstlerischen Bereichen teils leichter, teils komplizierter zusammen- oder auseinander liefen. Mitunter wurden manch vorbereitete Konzepte während der mehrjährigen Vorlaufzeit sogar komplett verworfen. Im Folgenden soll der Fokus jedoch auf dem liegen, was bis heute sichtbar überdauert hat, sich bis heute harmonisch in die Gartenlandschaft eingefügt hat und so zu einem unverwechselbaren Teil des Landschaftsgartenerlebnisses geworden ist.

Beauftragung und Budget für Bildende Kunst (Auswahl)

Lutz Ackermann_ohne Titel (3 Kugeln)_1996
Lutz Ackermanns Bodeninstallation „Planetenlandschaft" wird in der warmen Jahreszeit von Kindern zum Klettern und von Jugendlichen gerne als schattiges Plätzchen genutzt.

Das über einen städtebaulichen Wettbewerb qualifizierte Konzept der Architekten/-innen und Landschaftsplaner/-innen sah vor, die Bereiche an und um die beiden Seen, die sich vom Baumdach in der unmittelbaren Nachbarschaft des Elbenplatzes bis hin zum Baumoval erstrecken, landschaftsarchitektonisch und grünflächenplanerisch ansprechend zu gestalten. Von der gattungsübergreifenden Integration verschiedener architektonischer wie baukünstlerischer Elemente zeugen heute noch die wirkungsvoll-kreative Gestaltung mehrerer Brücken, die auf der gesamten, mehrfach preisgekrönten Anlage des Stadtgartens vom Baumdach bis zum Baumoval ausgeführt wurden und sich so gekonnt in die Umgebung einfügen, als ob sie schon immer da gewesen wären. Als wirkungsmächtiger Blickfang erstrahlen dagegen die unzähligen, auf schwarz-weißem Schachbrettmusterboden in lichtreflektierendem Weiß seriell aufgestellten Säulen der Wandelhalle, die sich an der Schnittstelle zwischen Oberem und Unterem See befinden. Wie das beigestellte Foto wundervoll zeigt, verschmilzt der künstlich geschaffene „Säulenwald“ mit den darumstehenden Birken zu einer Einheit.

Für die übergreifenden, kreativ-kulturellen „Zutaten“ hatte man die „Phantasia GmbH“ verpflichtet. Die erfolgreiche Ausstellung „Oro del Peru – Schätze aus dem Land der Inka“, die in der im Jahr 2008 abgebrochenen Sporthalle ausgerichtet wurde und bei der sich die Besuchenden in die interaktive Rolle eines Entdeckungsreisenden begeben konnten, wurde noch von dieser Kreativagentur initiiert, bevor sie ihren Vertrag auflöste. Ein Rätsel muss bisher bleiben, ob die neun majestätisch über den geschnittenen Platanen schwebenden, auf hohen, dreibeinigen Stahlstelzen drapierten Original-Abgüsse alter portugiesischer Vasen des Bildhauers und Objektkünstlers Franz Stähler (verstorben 2018), zwischen Herrenberger Straße und Seetreppe aufgestellt, ebenfalls auf den Vorschlag der Agentur zurückgehen. Dazu konnten bisher keine näheren Angaben in den Aktenordnern gefunden werden.

Dass zu den bereits an zahlreichen Aufstellungsorten um und in den Seen arrangierten Tierplastiken des Böblinger Bildhauers Rudolf Christian Baisch noch zusätzlich skulpturale und bildhauerische Kunstwerke die Gartenschau flankieren und speziell für diesen Kontext installiert werden sollten, wurde im Spätjahr 1994 zur beschlossenen Sache.

Dann versicherte der Landkreis unter dem kunstsinnigen Landrat Dr. Reiner Heeb schriftlich, sich in Form von künstlerischen Beiträgen und eines Wettbewerbs gemäß des Anliegens zur Förderung regionaler Künstler/-innen zu beteiligen. Wenn man bedenkt, dass die Platzierung und die damit einhergehende Finanzierung von Bildender Kunst im Durchführungshaushalt der LGS GmbH ursprünglich nicht extra eingeplant worden war, ist diese glückliche Wendung äußerst positiv einzuschätzen.

Gedanke des künstlerischen Gesamtkonzepts

Umso erwähnenswerter ist die Tatsache, dass unter umsichtiger Abwägung ein gelungenes Zusammenspiel und ein überzeugend aufeinander abgestimmtes Gesamtergebnis erreicht werden konnte. Damit zeigt sich seither allen an den Uferpromenaden der beiden Seen aufmerksam Flanierenden eine schön sichtbare und dadurch anhaltend nachhallende Erfolgsgeschichte. Denn der Direktor der LGS GmbH, Chasid Winograd, hatte sich bereits im Vorfeld an die regionalen Kunstschaffenden gewandt, um Vorschläge einzuholen, und damit den künstlerischen Auftrag im Sinne eines Gesamtkunstwerks weiterentwickelt.

In Abstimmung mit dem Landkreis und den verschiedenen Künstlervereinigungen, darunter der Böblinger Kunstverein unter seiner Ersten Vorsitzenden, der vor Kurzem bedauerlicherweise verstorbenen Künstlerin Linde Wallner, sowie Felix Sommer, der sich damals als Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler – Region Böblingen engagierte, traten die vor Ort wohnenden und tätigen Künstlerinnen und Künstler zunächst mit der Phantasia GmbH sowie mit den später mehrfach preisgekrönten Landschaftsarchitekten in gegenseitig inspirierendem Austausch und fruchtbarem Dialog.

Kunstprojekte: Skulpturenweg-Stationen, Aktionen und Ausstellungen

Unter dem Titel „Skulpturenweg“ gab es einen vom Landratsamt ausgelobten und von der Stiftung „Kunst, Kultur und Bildung“ der Kreissparkasse Böblingen mit einem Betrag von 50.000 DM finanziell unterstützten Wettbewerb, der unter dem Motto „Das Spiel – die Geheimnisse der Natur; Wundergarten der Phantasie“ stand. Die dahinterliegende Idee war, dass die künstlerischen Beiträge nicht die Natur dominieren sollten, sondern dass die Kunstwerke im Einklang mit ihrer natürlichen Umgebung agieren und sich harmonisch darin integrieren sollten. Hierfür wurden ausschließlich „heimische“ (Zitat aus dem Schriftverkehr) Künstler/-innen, also Kunstschaffende aus der Region Böblingen, eingeladen, ihre Vorschläge einzubringen.

Von 129 Aufgeforderten reichten insgesamt 26 Künstler/-innen Entwürfe ein. Zehn Positionen wurden von einer hochkarätigen achtköpfigen Fachjury (darunter Ursula Kupke, die Zuständige der Stiftung „Kunst, Kultur und Bildung“ bei der Kreissparkasse Böblingen und langjährige Vorsitzende des Galerievereins Böblingen e. V. – dem Förder- und Freundeskreis der Städtischen Galerie) ausgewählt und im Anschluss auf dem gesamten Gelände an eigens für die Werke ausgewählten Stellen verteilt.

Unter den Gewinnern waren überregional bekannte Größen wie Lutz Ackermann, Hans Bäurle, Gertrud Buder oder Karl Heger. Da ein zunächst einjuriertes Werk aufgrund zu hoher Kosten nicht realisiert werden konnte, ermöglichte dies, eine nachgereichte Position hinzuzurücken: Siegfried Ulmers skulpturale Installation mit dem wundervollen Titel „Vom Chaos zum Kosmos“, die auf der Wiese am Unteren See in der Umgebung zur Bushaltestelle Parkstraße emporstrebt.

An zehn Kunststationen markierten während des Stadt-Gartenschau-Sommers 1996 insgesamt also Objekte, Installationen, Skulpturen und Plastiken den „Skulpturenweg“, der durch das gesamte Landesgartenschaugelände mäandert. Sie setzten sinnliche Akzente, interpretierten und unterstrichen in den künstlerischen Umsetzungen den Slogan der Schau „Wunder, Garten, Phantasie“. Im Rahmen des Wettbewerbs gab es drei dotierte Auszeichnungen: Den ersten Preis der Jury erhielt Hans Bäurle für seine fantasievolle „Königsblumenfamilie“, bei der er schätzungsweise 40 hochgewachsene Stelen bunt bemalt und formenfroh gestaltet hatte.

Der zweite Preis ging an Klaus Josef Behringer für seine installativ angelegte, mit Strom versorgte „Hydrokultur“ (Assemblage aus Glasflaschen, Holz, Blech, Stahl, Keramik) im Birkenhain.

Und den dritten Preis durfte Gertrud Buder entgegennehmen, die ein groß dimensioniertes, sich meditativ im Wind wiegendes Filtertütenobjekt an einer Baumgruppe am Murkenbach befestigt hatte. In der damaligen Pressemitteilung heißt es dazu weiter: „Karl Heger aus Sindelfingen gestaltete ein ringförmiges Gebilde namens „Hörnerreif“ aus Holz, Hans Rösners Steinskulptur „Wassernymphe“ hat ihren Platz am Murkenbach, „Bebe-Sammlerin der Phantasie“ nennt der Sindelfinger Michel Schilling seine Skulptur aus Pappmaché, die Nagolderin Barbara Wieland ließ am Murkenbach einen keramischen Vogelgarten entstehen.“

Im Fahrtwind des Wettbewerbs zum Kunstpfad wurde in der alten TÜV-Halle eine zusätzliche Plattform für Kunstaktionen eingerichtet, wobei der Fokus hier auf dem Entstehungsprozess und den Experimentierfeldern lag. Während der beiden Sommermonate Juni und Juli wurden Aktionstage angeboten, bei denen verschiedene Künstler, darunter Renate Gross, Guillermo de Lucca, Hans Georg Lang, Rudi Weiss, Yasuhiro Matsuoka oder Michel Schilling, mit dem Publikum interagierten, arbeiteten und somit erlebnisreich vorführten, wie Kunst hinter den Kulissen entsteht. Parallel wurden die Besuchenden zum kreativen Mitmachen angeregt.

Franz Stähler_Vasen
Stadtbildprägend und sonnenverwöhnt: Die auf dreibeinigen Stahlträgern drapierten neun Vasen von Franz Stähler.

Tage der offenen Türen

Auf die engagierten Eigeninitiativen der hiesigen Kulturinstitutionen und Kunstvereine zurückgehend, kamen im Begleitprogramm zur Gartenschau noch weitere Kunstangebote hinzu: etwa die „offenen Ateliers“, bei denen rund 50 Mitglieder des Böblinger Kunstvereins ihre privaten Arbeitsräume und Werkstätten – lokalisiert im gesamten Umkreis – an bis zu vier Wochenenden während der Laufzeit der Schau für Besuchende öffneten und einen einmaligen wie praxisnahen Blick auf ihre künstlerische Tätigkeit und ihr kreatives Umfeld ermöglichten.

Gewachsene und gezähmte Wunderwelten

Zeitgleich war im Zweispartenmuseum Zehntscheuer in Zusammenarbeit des Böblinger Kulturamtes mit dem Nationalmuseum Prag eine thematisch abgestimmte, unseren Natursinn ansprechende Ausstellung unter dem Titel „Pflanzenwunder – Gartenzauber“ zu sehen, die mit Bildern aus 350 vergangenen Jahren einen weiteren Besuchermagneten darstellte.

Schattenseiten des Schönen

Einiges Kunstvolle musste nach der Laufzeit der Schau im Herbst 1996 wieder abgebaut werden, zum Beispiel Franz Stählers im Baumoval liegend verteilte Vasen, welche am oberen Ausläufer des Gartenschaugeländes platziert die neun Vasen am Baumdach wie als Rahmen abgerundet haben. Man hört, dass die Befürchtung vor einer bewussten Beschädigung zu besorgniserregend war.

Für Hans Bäurles Wind- und Glockenspiel „Königsblumenfamilie“, bestehend aus bunten, glasfaserverstärkten Kunststoff-Stelen, die zwischen 1,40 und 4,30 Meter hoch sind, wurde ursprünglich der Wiesenkanal am Ufer als Aufstellungsort gewählt. Die Stelen wurden jedoch schon nach kurzer Zeit mutwillig beschädigt und abgeknickt. Um sie besser zu schützen, wurde für die feingliedrige, mehrteilige Arbeit ein neuer Standort gesucht und gefunden, sodass sie innerhalb des Unteren Sees versetzt wurden. Dort jedoch sind die bunten Blumen und Blüten ungeschützt vor Wind und Wetter, vor allem den über das Wasser ungehindert hinweg fegenden Sturmböen, ausgesetzt. Alle Jahre wieder muss die Verankerung der sich unter Wasser befindenden Holzbalkenkonstruktion ertüchtigt werden, da sich das Floß sonst von den elementaren Kräften losreißen, ungehindert herumschwimmen und sich am Ufer verhaken würde.

Neben den insbesondere bei Kunst im öffentlichen Raum und unter freiem Himmel aufgrund von Witterungsschäden regelmäßig anfallenden zeit- und kostenintensiven Wartungen sind die Gefährdungen durch Zerstörungswut und Vandalismus bis heute eine der größten und bedauerlichsten Schwierigkeiten, bei der schlimme Schäden auftreten können.

Was bleibt...

Wandelhalle
Atmosphärisch strukturiert: Wandelhalle in Weiß mit Bodengestaltung im Schachbrettmuster

Im Hier und Heute können wir uns noch immer an vielem erfreuen, auch wenn es teilweise, wie soeben geschildert, den ursprünglichen Standort wechselte. Während manches verschwand,
überdauerte auch einiges, und zwar hauptsächlich, weil sich die Verantwortlichen für den Verbleib der vom Publikum geschätzten Objekte einsetzten und überzeugend starke Positionen für die Kunst vertraten. Im Anschluss an die erfolgsverwöhnte Landesgartenschau wurde rund die Hälfte der die Schau untermalenden, eigentlich temporär ausgeführten, d. h. „auf Zeit“ aufgestellten Werke von der Stadt, dem Landkreis Böblingen oder der Kreissparkasse übernommen oder angekauft.

Heute stammen insgesamt sechs Werke aus der Gartenschau-Zeit. Darunter etwa Lutz Ackermanns unbetiteltes Kunstwerk, welches mit seinen Stahl- und Glasfaserkugeln am Oberen Seeufer Erdverbundenheit und Bodenständigkeit ausdrückt; die poetisch in den Raum greifenden, einstmals von Sukkulenten überwucherten, felsenartigen Sandsteinplatten mit der Betitelung „Sempervivum“ von Hellmuth Erath beim Baumoval seitlich der Schönbuchstraße; oder die anmutige „Wassernymphe“ von Hans Rösner im oberen Stadtgarten am Murkenbach (nahe der ehemaligen Sporthalle).

Meistfotografierte Motive und Meilensteine

Aus ein paar künstlerischen Fußnoten wurden nicht mehr wegzudenkende „Kunstwahrzeichen“ für die Stadt Böblingen und ihre Identität. Das Ringen um und für die Kunst hatte sich mehr als gelohnt, wie die mittlerweile im Unteren See schwimmenden Blumen der „Königsblumenfamilie“ von Hans Bäurle und die „9 Vasen“ von Franz Stähler – für die sich im Böblinger Sprachgebrauch die antiker klingende Bezeichnung „Amphoren“ eingebürgert hat, obwohl sie im Gegensatz zu Vasen keine Henkel haben – und ohne die man sich beispielsweise das aus Nah und Fern besuchte Event „Schlemmen am See“ heute gar nicht mehr vorstellen kann, eindrücklich beweisen.

Die Kunst wurde von der Bevölkerung, von Jung und Alt, angenommen und lädt zum Verweilen ein. Ein beliebter, schattiger Treffpunkt bei heißen Sommertagen sind vor allem für Kinder und Jugendliche die bereits erwähnten drei unter großgewachsenen Bäumen und zwischen deren Wurzeln im Boden versenkten Kugeln von Lutz Ackermann.

Nichts bleibt, lautet eine altbekannte Weisheit, wie es ist oder war: Alles ist vergänglich, wächst und welkt. Und dennoch bereichert Kunstvolles noch immer das „grüne Herz“ von Böblingen, das angesichts der aktuellen Lage mehr denn je für uns alle zu einem wahrhaftig wichtigen Erlebnisraum geworden ist.

Nicht zuletzt ist auch das in der Stadtgesellschaft beliebte Musikfestivalreihe „Sommer am See“ zu nennen, das ab 1997 aus der Bespielung der Umgebung um die alte TÜV-Halle hervorging und seitdem jährlich in den Sommermonaten stattfindet.